Die meisten lassen sich trotzdem entweder ursächlich auf genuine Überforderung zurückführen oder wurzeln in Gründen, die Schule ohnehin nicht effektiv oder nur mühselig angehen kann (psychischer Stress wegen der Familienverhältnisse, Mobbing, häufige Krankheit und damit verbunden verpasster Lernstoff). Es ist zwar sehr bequem, seine Defizite in Mathematik auf den doofen Lehrer zu schieben, trotzdem sind im Regelfall einige Schüler im Klassenverband, die trotzdem zu (sehr) guten Noten kommen. Die Unsitte, sich mithilfe einer Auswahl von einigen - pardon - Modekrankheiten wie Dyskalkulie oder Anglophobie (bei uns hat es wirklich ein Schüler geschafft, sich vom Arzt attestieren zu lassen, dass er eine krankhafte Angst vor der englischen Sprache habe und deswegen vom Unterricht befreit werden müsste) einen Persilschein zu beschaffen, spricht für mich auch eher von Leistungsverweigerung und/oder -minderung denn von ernsthaften tiefenpsychologischen Umwälzungen, die sich abspielen. Zugespitzt ausgedrückt: prima facie sind Minderleistungen wenigstens in schriftlichen Arbeiten Ausdruck von simpler Überforderung.Denn es gibt viele Gründe, die dazu führen können, warum ein Schüler den Anschluss verlieren könnte.
Es redete keiner davon, dass die reine Anwesenheit leistungsschwächerer Schüler auch die besseren herunterreißt, sondern, dass offensichtlich die Lehrerschaft es nicht versteht, auch die besseren Schüler zu fördern - daher zitierte ich den FAZ-Artikel; es muss doch einen Grund haben, warum nicht nur erheblich mehr japanische und südkoreanische Kinder in den Spitzengruppen liegen, sondern auch niederländische, britische und US-amerikanische Kinder eine doppelt, dreifach oder vierfach so hohe Ballung daran haben.Es gibt keine Studie, die belegt, dass leistungsstärkere Schüler von leistungsschwächeren Schülern in ihrem Lernfortschritt aufgehalten werden.
Nichts für ungut, aber entweder ist diese Aussage unsinnig oder ein sehr bedenkliches Omen für unsere Gymnasien. Es hat ja seinen Grund, warum der Durchschnitts-IQ bei genau 100 liegt: wenn man das geistige Alter durch das tatsächliche teilt und mit 100 multipliziert, ergibt sich der IQ. Da ein normaler Zehnjähriger über den geistigen Horizont eines Zehnjährigen verfügt, beträgt sein IQ 100. Deine Aussage oben bedeutet also, dass es Gymnasien geben soll, deren Schüler geistige Leistungen erbringen, die unterhalb ihres tatsächlichen Alters liegen, aber trotzdem im oberen Durchschnitt angesiedelt sind (der Standardabweichung wegen, welcher Zusammenhang auch immer sich da ergeben soll). Bist Du Dir wirklich sicher, dass Du das sagen wolltest?Und das Gymnasium ist auch keine Hochbegabtenfördereinrichtung, sondern richtet sich an den oberen Durchschnitt und der kann je nach Standardabweichung des Tests auch unter Hundert liegen.
Wie bereits geschrieben, etwa 2% der Gesamtbevölkerung hat einen IQ von 130 oder höher und gilt damit als hochbegabt. Anteilsmäßig ist das unüblich, bei etwa 11 Millionen Schüler in Deutschland kommen da dennoch über 200.000 Hochbegabte zusammen. "Äußerst selten" sieht anders aus.Es ist auch nicht Ziel des Gymnasiums nur die brillianten Köpfe zu fördern. Die sind nämlich äußerst selten.
Einstein hätte theoretisch durchaus einen Intelligenztest ablegen können, den Stanford-Binet-Test gibt es seit 1937.Hat irgendjemand schon mal den IQ von Albert Einstein gemessen, von Newton, Leibnitz, Kant oder sonst einer Geistesgröße?
Nein, schon deshalb nicht, weil Intelligenzforschung noch garnicht so alt ist.
Catherine Cox hat 301 Persönlichkeiten einen approximativen IQ zugeschrieben (einsehbar hier), aber das ist offensichtlich eine recht windige Angelegenheit.
Abgesehen davon allerdings halte ich Deine Skepsis an dieser Stelle für etwas unangemessen. Leibniz beispielsweise erlernte mit sieben Jahren autodidaktisch die lateinische Sprache, mit zehn oder elf erweiterte er Lehrsätze zur gängigen Modallogik und mit 20 verfasste er eine exzellente Doktorarbeit in Jura, ganz zu schweigen von seinen umfassenden Interessengebieten (er gilt ja als letzter Polyhistor) und seiner zentralen Bedeutung sowohl in der Mathematik als auch in der Philosophie. Man muss keine spekulativen Quantifizierungsmodelle wie Cox benutzen, um da eine herausragende Intelligenz am Werke zu sehen.