Das Licht strahlte mit vollem brennendem Zorn auf seiner Haut. Die Gassen der Stadt waren durch goldene Hausfassaden und silberne Straßen geschmückt. Überall standen und hingen exotische Pflanzen, welche sich ihren Platz mit Diamanten und anderen Edelsteinen teilen mussten. Es dauerte eine Weile, bis er sich langsam erinnerte. Er kannte diese Gasse. Er kannte die Stadt, die er als Aurius identifizierte - die goldene Stadt, das Juwel mitten im Segmentum Tempestus System auf der Welt, die einst Kaltian Secundus hieß. Es war eine unbeschwerte Zeit gewesen. Eine Zeit weit vor seiner Wandlung zum Space Marine der ruhmreichen III. Legion. Eine Zeit, die er fast vergessen hatte. Er sah an sich herab und erkannte die weißen Predigerkleider mit den Ornamenten in der heiligen Farbe purpur. “Was ist denn los mit dir, kommst du nun mit oder nicht?”, hörte er eine Stimme. Sie bohrte sich erst kalt in seinen Verstand und breitete sich dann in einen wohlig warmen, dann heißen Tonus in seinem Kortex aus. Nicht aus Wehmut oder Freude. Sondern tiefst sitzender Schmerz. Er sah zur Quelle der Stimme und erkannte nur die Silhouette einer Person, doch er wusste genau, wer es war. Er streckte seine rechte Hand sehnlichst nach ihr aus und rief: “Warte, geh nicht. Du wirst sterben. Kirah!”
So schnell die vom Warp vollgesoffenen Gänge der Katakomben unterhalb der Kathedrale der drei Sonnen ihn in diese Traumwelt seiner Erinnerungen schickten, so schnell und kalt rissen sie ihn wieder raus. “Mein Lord, alles in Ordnung? Wohin soll ich nicht gehen?”, sah Kirah ihn mit großen Augen und etwas geschockt an. Decius schüttelte einmal mit den Kopf und vergewisserte sich, dass er wieder im hier und jetzt war. Er sah zu Xhol und seinem Tormentor-Trupp und brummte: “Das Meer der Seelen ist im ganzen Bezirk und auch hier sehr stark. Es hat lange gedauert, aber es beeinflusst mich wohl nun auch.” In Erwartung, dass die anderen ihn zustimmten, nickte zuerst Xhol: “Ja, ich sah öfter flüchtige Erinnerungen und Fragmente meiner Zeit vor der Legion. Es lockt und verführt, in diesen Illusionen zu bleiben. Die Verführungen des dunklen Prinzen.” Nun nickten alle und bestätigten die Aussage. “Nun gut, Kirah. Schreitet weiter, bevor sich die Wände wieder verschieben und wir Umwege gehen müssen. Ich sah in den Schatten schon genug Gestalten. Verzweifelte Menschen und Verseuchte des Fliegengottes. Schlimmer noch: Nimmergeborene.” Und mit Decius Worten schritten die sieben weiter durch Gänge, die mal aus Stein, mal organisch, mal aus einer gallertartigen Masse bestanden und mit Wänden, die ständig im Wandel waren. Teils hingen Tentakel, Zähne und Zungen raus oder ganze Gliedmaßen, die nach einem griffen und Augen beobachteten jeden Schritt. Als ob die Kathedrale und ihr tiefes Inneres zu einer Bestie wurde. Und sie waren ein Pathogen, dass es irgendwann aus zu merzen galt.
Kirah wurde vor 3 Tagen gefunden bzw. hat sich finden lassen. Sie wurde mit energiereicher Nahrung und schwachen Juvenor-Dosen wieder aufgepäppelt. Decius sah nach dem Aufpäppeln ihren vollkommenen Körper. Athletisch trainiert wie damals, so sagte sie und mit Narben übersät die von ihren Taten zeugten. Nun trug sie einen schwarzen, hautengen Synthetik-Anzug mit einem langen dunkel-rötlichen Mantel darüber. Ihre Bewegungen waren geschmeidig und tanzend, umging so die geifernden Mäuler und Gliedmaßen aus den Wänden. Sie forderte ebenso zwei Energie-Klingen. Man musste kein Genie sein, um nur ungefähr zu ahnen, dass Kirah nicht eine einfache Bürgerin war. Decius dachte sich zumindest seinen Teil. Letzten endes führte die Labyrinthbezwingerin die Gruppe durch eine Tür, welches nichts weiter mehr war als ein klaffendes Maul mit Reißzähnen. Als Kirah schon nicht gerissen wurde, gingen die anderen hinterher und betraten schlussendlich einen leeren Raum. Leer? Nicht ganz. Ein inaktiver Servitor war an eine der Wände gelehnt. Seine Ketten waren gesprungen und sein Oberkörper zur Hälfte mit der Wand verschmolzen. Decius und die anderen erkannten auf der freien Brustseite ein deutliches Zeichen. Ein großes I für die Inquisition. Darunter stand in einer alten gotischen Schrift etwas. “Diese Schrift ist gotisch, aber uralt. Zur Zeiten der Häresie. Da steht einfach nur: Kurator drauf.”, bemerkte Decius und grinste siegessicher: “Einheit Kurator: Statusbereicht.”
Die einzige sichtbare Haut war am Schädel des Servitors und sie war leichenblass, die Augen milchig und in den Augenhöhlen eingefallen. Die Haut war so dünn, dass das Metall des Ersatzschädels förmlich durchschimmerte. Dennoch bewegte sich etwas unter Haut, wie Würmer oder Egel. Krachend und ratternd bewegten sich die Gelenke und der Servitor versuchte, sich von der Wand zu lösen, was ohne Erfolg blieb. Der eine Arm war in der Wand verschwunden, der freie Arm endete als Lauf einer Plasmakanone. Dann begann das Vox-Gitter an der Stelle seines Mundes zu knarzen. “Ku-Ku-Kurator meldet sich Die-Die-Dienst-Dienstbereit. An-An-Analysiere Funktion. Bewegung eingeschr-schr-schränkt. Ketten gesprungen. Phos-Phos-Phosphorblaster zerstört. Plasmakanone ohne En-En-Energie. Energie-Level niedrig, bei 8% Prozent. Bulbi oculi inaktiv, ir-ir-irreversibel. Area 4, Gyrus pre-pre-precentralis beschädigt, erschwerte Kommu-Kommuni-Kommunikation. Limbisches System stark ge-ge-geschädigt. Speicherkapazitäten beeinträchtig. Analyse zu-zu-zuende.” Decius überspielte seine Frustration und meinte überschwänglich: “Großartig! Nun, was verlangen wir? Kurator: Einträge Relikt, Artefakt oder Aeldari.” Wieder knarzte das Voxgitter: “Berechne Ein-Eintr-Einträge. Relikt - 42699 Einträge. Davon beschädigt - 22856. Arte-Arte-Artefakt - 55738 Einträge. Davon beschädigt - 43111. Aeldari - 12972 Einträge. Davon beschädigt - 3126.”
Decius verlor nun doch sichtlich die Haltung und da schritt Kirah dazwischen. “Kurator? Protokoll: Delta-Zeta-Epsilon 5691. Überschreibe Berechtigung zu Kirah Vex. Notfall-Code Gamma-Zeta 42. Eintrag: Black Sun.” Zuerst richtete Brax seinen Bolter auf die Frau, dann folgten die anderen mit ihren Waffen. Nur Decius blieb entspannt. Noch ehe Kirah sich erklären konnte, rasselte der Servitor mit einer bassigeren Stimme los.
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Imperialer Code: T1QN1U501R. Gefahrenstufe: rot. Sprecher: Inquisitor Torren Bale.
12 Standardtage seit der Landung in Ferrus Magna. Die 3. Sonne hat definitiv Warpeinfluss auf die Stadt. Bisher erkenne ich noch keine Einwirkungen. Werde weiter beobachten. Mein Team besteht aus:
Kirah Vex - Todeskult-Assassine.
Jonas Belior - Astropath.
Kurator - Kampf-Servitor, Kataphron-Klasse.
Brennan van Vogt - Linguist und Übersetzer.
Cole and Boyle Bexten - Catachanische Dschungelkämpfer, Spezialisten für Sprengstoff und Sabotage.
Zero - Scharfschützin.
Untersuchen weiter den Einfluss der dritten Sonne.
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32 Standardtage seit der Landung in Ferrus Magna. Die ersten Mutationen treten auf. Manche berichten von Stimmen. Psioniker reagieren empfindlicher, Jonas Geist ist jedoch gestählt. Erkenne zunehmende häretische Bewegungen. Habe Hilfe angefordert, doch ob die durch die Warpgezeiten kommen ist fraglich.
Untersuchen weiter den Einfluss der dritten Sonne.
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46 Standardtage seit der Landung in Ferrus Magna. Mein Schiff fiel einem Anschlag zum Opfer. Hängen nun fest. Jonas hört Stimmen. Aber keine aus dem Warp. Sie führen uns zur Kathedrale der drei Sonnen bzw. deren Katakomben.
Untersuchen dieses Phänomen.
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47 Standardtage seit der Landung in Ferrus Magna. Sie waren lautlos und schnell. Doch sie waren keine Feinde. Aeldari. Harlequine der Maske des letzten Aktes. Sie vertrauten mir ein Artefakt an. Sie nennen es “Black Sun”. Auf die Frage, wieso mir, war die Antwort: Alle anderen Möglichkeiten enden mit einem fatalen Ausgang. Nur bei mir ist die Zukunft ungewiss. Verschleiert. Ich lehnte erst ab, aber nachdem ich Zugang zur schwarzen Bibliothek erhalten würde, nahm ich es an. Sie sagten mir nur, dass ich weiter gehen soll. Ich finde mein Ziel. Wohl ein Eingang zum Portal der tausend Tore. Sie kommen nicht mit. Sie halten mir Gestalten fern. Dann verschwanden sie.
Wir werden den Weg gehen.
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49 Standardtage seit der Landung in Ferrus Magna. Uns fiel es erst nicht auf. Erst als wir den gleichen Raum beim 4. Mal wieder betraten hatten war es klar: Die Gänge sind nicht starr. Sie beginnen sich zu bewegen. Manchmal habe ich das Gefühl, Stimmen oder Personen zu sehen, die nicht da sind. Oder das die Wände atmen. Ich behalte das Artefakt stets bei mir. Ich werde nicht versagen.
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53 Standardtage seit der Landung in Ferrus Magna. Brennan verschwand. Er sagte, er würde zurück zur Oberfläche, dass wir hier alle sterben würden. Ich ließ ihn gehen. Ernähren uns weiter von Rationen und stoßen weiter vor. Ich glaube, wir steigen kontinuierlich weiter anach unten. Ich werde nicht versagen.
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61 Standardtage seit der Landung in Ferrus Magna. Cole und Boyle begannen aggressiver zu werden. Sie wollten uns töten. Sie wollten mich richten. Kirah war schneller. Beim Imperator, so grazil sah ich sie selten töten. Ich glaube, Brennan hatte Recht. Ich werde nicht versagen.
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63 Standardtage seit der Landung in Ferrus Magna. Jonas hatte Zero im Schlaf erwürgt. Er brabbelte nur noch wirres Zeug. Ich wollte ihn erlösen, da hatte er sich selbst den Kopf zerplatzen lassen. Verdammt nochmal. Ich werde… ich werde… nicht versagen.
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67 Standardtage seit der Landung in Ferrus Magna. Die Stimmen haben Recht. Ich kann Keinem trauen. Kirah erst Recht nicht. Werde sie töten. Heute Nacht. Ja … ja das werde ich. Ich werde nicht versagen, sagen die Stimmen. Gute Stimmen. Bekannte Stimmen. Ja, ja Vater, ich mache dich stolz.
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32 oder 58… oder ich weiß nicht mehr wieviele Standardtage seit der Landung in Ferrus Magna. Eine Mauer trennte Kirah und mich. Sie ist fort. Kurators Ketten sind gesprungen. Muss ihn nun zurücklassen. Letzte Aufzeichnung. Hehehehehe….hehehehe. Ja, ich werde versagen. Werde versagen. Werde versagen… nicht versagen. Ich… weiß nicht wo ich bin. Ich werde sterben. Torren Bale. Ende.
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Mit exakt dem letzten Wort, begann die Wand an den Kurator gelehnt war sich diesen nun komplett einzuverleiben. Schmatzend legte sich die grau-schwarze, feuchte und fleischige Wandmasse um den Servitor und umhüllte ihn. Decius nahm das Wort zuerst: “Was soll das hier, Imperiumstreue?” Kirah kniete sofort nieder, ließ den Kopf gesenkt: “Mein Lord, ich habe den Abgrund des Imperiums gesehen. Es tat nie etwas für mich, außer Folter und Vergehen. Doch ihr, gabt mir sofort Nahrung und Stärkung. Ihr glaubt an mich. Und ich hasse das Imperium.”
“Und was willst du dann?”, hauchte Decius mit zuckersüßer Zunge.
“Ich höre die Stimmen. Sie leiten mich. Sie sagten, ein göttliches Wesen mit goldener Rüstung und perfektem Gesicht würde die Massen einen. Diese Gestalt würde uns helfen. Und ihr seid erschienen. Sie wollten, dass ich euch zum Kurator bringe und ich tat es. Sie wollen, dass ich euch weiter führe. Sie wollen es sehen. Und ich auch. Deswegen helfe ich euch.”
“Was wollt ihr sehen?”
“Die Auferstehung eines Gottes.”
Es war ein Leichtes für Decius, die Gruppe daraufhin zu überzeugen, dass Kirah auf ihrer Seite war. Und so führte sie die Truppe wieder zu einem Raum. Er war groß und eine Menge Menschen saßen und lagen wie Sonnenstrahlen um einen notdürftig gebauten Thron. Diese Menschen waren alle ausgemergelt. Sie waren alle tot. Decius erkannte, dass es nicht aus Hunger und Durst so war, sondern weil ihre Körper ausgesaugt wurden. Ihre Seelen und Energie. Und das Ding auf dem Thron tat es. Eine halb verweste Leiche mit einem zerfetzten, grünen Mantel, welcher mit einer Anstecknadel in Form eines Inquisitions-I saß dort im Schneidersitz. Auf den Knöcheln in beiden Händen befand sich eine Kugel. Dieses Relikt hatte die Größe eines Handballs, ein auf dem antiken Terra benutztes Sportutensil. Pechschwarz war die Kugel. Decius kannte das Material. Abaddons Festungen hatten es. Die Necrons nutzten es: Blackstone. Es war in der Lage, das Immaterium fern zu halten, gar zu bannen. Keine Augen, weder Astartes noch menschliche oder Zieloptiken konnten es erkennen, aber Decius sah es mit seinen Dämonenaugen: Die Kugel war nicht dicht. Ein hauchzarter Dunst trat aus. Und da dämmerte es ihm: “Das Artefakt ist ein Gefängnis. Und die Stimmen sind ein oder mehrere Wesen, Kirah. Sie leiten euch, weil sie uns brauchen. Denn ich rieche etwas. Etwas, was ich schon lange verlor: Angst.” Decius ging einfach gerade aus. Die Metallstangen des Geländers bogen sich, als würden sie aus Knete bestehen, dann rissen bzw. brachen sie und er glitt sanft zu Boden. Die anderen mussten die Treppen links und rechts runter in den Raum nehmen. Decius ging unbeirrt weiter, bis er kurz vor dem Thron stand. Die Stimmen waren nun stark in seinem Kopf. Wobei es nur eine war: Kirah. Nicht die aus dem hier und jetzt. Sondern die, zur Zeit der Häresie. Einst seine Frau. Genommen von Loyalisten. Er streckte seine rechte Hand aus und wollte die Black Sun greifen.
Normalerweise sah er immer denjenigen, der ihm Schmerzen zufügte. Er lies sich nie überraschen. Er erkannte immer Gefahren. Doch diesmal nicht. Der bittersüße Schmerz trat zuerst ein. Dann das Gefühl, kein Gefühl mehr im rechten Unterarm und Hand zu haben. Und erst, als der in Gold eingehüllte Körperteil zu Boden fiel, wurde ihm das Ausmaß erst bewusst. Sauberst abgetrennt, mittig durch den Unterarm. Dunkles, schwarzviolettes Blut spritzte erst und ron dann zu Boden. Er blickte sich um und als er den Angreifer sah, zischte er regelrecht das Wort: “Abschaum!”