Ich hatte euch ja geschrieben, dass mein Kopf gerade einen Kopf macht. Das Thema, das ihn beschäftigt hat, beginnt sich heute langsam zu klären. Ergo wird auch der Kopf wieder etwas klarer.
Heute gibt's Lore!
Wie aufmerksame Leser wissen (seid ihr überhaupt aufmerksam? Ich frage morgen ab! Wehe, einer von euch drückt sich!), liebe ich es, Lore zu schreiben. Also lasst uns heute über das Reden... und das Fühlen reden.
Niponi leben nach dem Ideal, dass Gefühle weder die Stimme noch das Gesicht erreichen sollen. Im Normalfall ist ihre Sprechweise daher monoton, mechanisch und ohne erkennbare Intention.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Niponi keine Gefühle haben. Ganz im Gegenteil. Sie drücken sie nur anders aus.
Gefühle werden durch Signalworte oder Lautmalerei kenntlich gemacht. So kann ein Satz wie:
„Ich fühle mich nicht gut. Wein, wein.“
durchaus bedeuten, dass der Sprecher gerade tatsächlich weint. Ebenso wird in der Öffentlichkeit gelacht, indem man schlicht „Haha“ sagt, anstatt wirklich zu lachen. Jemandem eine sichtbare Emotion zu entlocken gilt als unschicklich und ist außerhalb des engsten Kreises absolut verpönt.
Shin hingegen erleben eine Welle von Emotionen, die ein Niponi vermutlich nie erfahren würde. Man begegnet ihnen zwar mit mehr Nachsicht, dennoch erfordert das häufig das Eingreifen eines Sija Hii und eine Korrektur. Viele Niponi führen daher halblegale Muskelrelaxia mit sich. Sie sollen Mimik unmöglich machen und die Stimmbänder so beeinflussen, dass die Stimme bleiern und emotionslos klingt.
Nun denkt sich vermutlich der ein oder andere:
"Moment mal... dann sagt doch jeder einfach ständig 'Haha' und fertig?"
Ganz so einfach ist es dann doch nicht.
Wie jede Sprache kennt auch Nipo verschiedene Arten zu lachen.
Haha – ehrliches, aufrichtiges Lachen. Durch das Wiederholen der Silben können Intensität und Lautstärke modelliert werden.
Hehe – schelmisches oder freches Lachen. Durch einen angehängten „Ha“ (Heheha) wird daraus Schadenfreude.
Hihi – kokett, verspielt und kulturell eher weiblich geprägt. Mischformen können es spielerischer wirken lassen.
Hoho – tiefes, herzliches Lachen. Wird häufig älteren Menschen zugeschrieben, darf aber jeder verwenden. Auch hier lassen sich Lautstärke und Intensität durch Wiederholungen ausdrücken. Vorsicht allerdings: Mehr als fünf Silben gelten allgemein als aufdringlich und unhöflich.
Höhö – das gesellschaftlich erwartete Lachen. Ein Höflichkeitslachen. Hier Silben anzuhängen gilt als schwerer Fauxpas und kann durchaus soziale Konsequenzen nach sich ziehen.
Huhu – kindliches Lachen. Kinder genießen in der niponischen Gesellschaft eine gewisse Narrenfreiheit und dürfen sprachlich deutlich mehr experimentieren.
Aufgepasst, Spaßvögel!
„Das Mischen macht zwar gar viel Spaß! Sorgt jedoch für Korrekturen ohne Unterlass!“
Merkt euch also: Solange nicht ausdrücklich anders angegeben, werden Lachformen nicht gemischt. Weniger ist hier tatsächlich mehr. Möchtest du ausdrücken, dass etwas gerade zum Totlachen war, verlängerst du nicht einfach die Silben bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, sondern sprichst sie einfach schneller. Geschwindigkeit ersetzt Lautstärke.
Auch Weinen besitzt verschiedene Lautformen. Während Lachen überwiegend mit H gebildet wird, beginnen Weinsilben meist mit W oder N. Auch hier bestimmen Wiederholung, Vokal und Sprechgeschwindigkeit den eigentlichen Kontext.
Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen.
Wenn dir tatsächlich Tränen vor Lachen in den Augen stehen, darfst du eine einzelne, dem Kontext entsprechende Lachsilbe in deine Weinsilben einfließen lassen. Aber wirklich nur eine. Übertreibst du es, wirkt das auf Niponi unauthentisch. Im schlimmsten Fall gibst du damit der gesamten Umgebung zu verstehen, dass du kein Muttersprachler bist oder deine sprachliche Erziehung deutlich zu wünschen übrig lässt.
Mindestens genauso wichtig wie die Sprache selbst ist für Niponi allerdings ihre Gestik.
Was zunächst widersprüchlich klingt, ist vollkommen beabsichtigt. Während Mimik und Stimme möglichst neutral bleiben sollen, ist Gestik ausdrücklich erwünscht. Hände ersetzen vieles, was andere Kulturen über Gesichtsausdruck oder Stimmlage vermitteln würden. Ein Niponi beobachtet daher im Gespräch deutlich häufiger die Hände seines Gegenübers als dessen Augen.
Nicht umsonst sagt ein altes niponisches Sprichwort:
„Wenn du einen Menschen wirklich lesen willst, beobachte seine Hände. Seinen Augen schenke keine Beachtung.“
Noch interessanter wird das dadurch, dass die meisten Niponi Linkshänder sind. Dadurch entwickelte sich über Jahrhunderte eine regelrechte Grammatik der Gestik.
Die linke Hand spricht von dir selbst, deinen Gedanken, Gefühlen und Absichten.
Die rechte Hand spricht von deinem Gegenüber oder dem, worauf sich deine Worte beziehen.
Wer das verwechselt, wirkt auf Niponi ähnlich unbeholfen, wie auf uns jemand, der Redewendungen durcheinanderbringt. Aus diesem Grund hat sich im Sprachgebrauch sogar eine zweite Bedeutung entwickelt.
Etwas, das „rechts“ ist, beschreibt im Niponi etwas Ungeschicktes, Unbeholfenes oder gesellschaftlich Unsauberes. In etwa so, wie wir im Deutschen etwas als „linkisch“ bezeichnen.
Jetzt könnte man natürlich einfach sagen:
"Du hast gerade einen Fauxpas begangen."
Nur wäre das... nun... ebenfalls ein Fauxpas.
Denn jemanden außerhalb einer Korrektur durch einen Sija Hii direkt auf seinen gesellschaftlichen Fehltritt hinzuweisen, gilt als unhöflicher als der eigentliche Fehltritt.
Stattdessen formuliert man es höflich und lässt dem Gegenüber die Möglichkeit, sein Gesicht zu wahren.
So entstand das Sprichwort:
„Rechte Stimmen sind zu laut, als dass sie höflich sind. Linke Stimmen sind leise, aber laden zum Zuhören ein.“
Für Außenstehende klingt das wie eine allgemeine Lebensweisheit.
Ein Niponi versteht dagegen sofort:
„Ich glaube, deine Gestik oder Ausdrucksweise war gerade etwas... rechts.“
Zum Abschluss noch ein paar Faustregeln:
Wiederholungen intensivieren Emotionen.
Geschwindigkeit ersetzt Lautstärke.
Das Mischen von Silben gilt als schlechtes Nipo.
Kinder und Verrückte genießen Narrenfreiheit. Man sieht über sprachliche Fehler meist großzügig hinweg.
Nipon zu sprechen ist an und für sich übrigens gar nicht schwer. Es gibt nur wenige Worte, die tatsächlich anders ausgesprochen werden, als sie geschrieben werden.
Den Fehler, den die meisten Menschen machen, wenn sie Nipon lernen, ist ein ganz anderer:
Sie versuchen Melodie in ihre Sätze zu bringen.
Weil die Sprache dazu einlädt.
---
Ich bin heute Morgen übrigens fast vom Glauben an den Imperator abgefallen. (Nicht dem Kommissar oder der Inquisition verraten! Bitte! Sonst war's das mit dem Thread.)
Ich bin in der kurzen Zeit, die es diesen Thread gibt, von Platz 238 auf Platz 24 geklettert. Das sind 214 Plätze!
WTF?!
Irgendwo gibt es also tatsächlich Verrückte, die das hier lesen, für gut befinden und sogar Likes und Kommentare dalassen.
Crazy...
...und ich dachte die ganze Zeit, ich rede hier hauptsächlich mit mir selbst.
Aber vielleicht bilde ich mir das auch alles nur ein. Wäre schließlich nicht das erste Mal.
Auf jeden Fall ein fettes Danke an jeden, der hier kommentiert, liked oder einfach regelmäßig vorbeischaut. Das bedeutet mir tatsächlich mehr, als ich gedacht hätte. Ich hoffe, ich kann euch auch weiterhin mit meinen Modellen, meinen Hirngespinsten und meiner Lore unterhalten.
Aber!
Ihr kennt es, ihr liebt es, ihr hasst es...
Brav weiter Kommentare und Likes dalassen! Support ist kein Mord!
Wir lesen uns!
Ps: Offtopic Merlin freut sich auch