Das Geschöpf vor ihm war tot.
Gallianos Geyer machte nicht den Fehler, den Xeno als Frau zu beschreiben, nicht einmal in Gedanken. Der Parasit hatte sich in die Gestalt einer Frau gehüllt, ein geschicktes Mimikry. Anfangs gefleht und geschluchzt wie eine Frau und dann, nachdem die Schale wortwörtlich Stück für Stück von ihr geschält worden war, gedroht, gegeifert und gekeift, wie die Kreatur, die sie wirklich war. Diese Wesen waren schmerzunempfindlich, aber nicht völlig frei davon. Was lebte, konnte man leiden lassen – das war eine grausame Realität der Existenz.
Am Ende, gebrochen an Seele und Leib, hatte es alles gesagt, was es sagen konnte, um nur endlich in die gnädige Umarmung des Todes gleiten zu dürfen.
Das hatte nicht lange gedauert. Ein paar Stunden nur. Zu sehr hatte sich das Geschöpf auf seine robuste Konstitution, seine geistigen Fähigkeiten und den Schutz seiner eigenen Brut verlassen. Alles Dinge, die ihm leicht zu entreißen waren.
Gnade hatte es dabei keine gegeben. Nicht aus Grausamkeit. Geyer empfand keine Lust und kein Vergnügen bei dieser Art von Arbeit. In ihm brannte nur das kalte Feuer der unerbittlichen Treue zur Menschheit. Wie konnte ein Geschöpf auf Milde hoffen, wenn sein einziges Bestreben darin bestand, das Menschengeschlecht auszulöschen?
Hätte auch nur ein Mensch, ob Mann, Frau oder Kind, auf Gnade von diesem und seinesgleichen hoffen können? Nein, dieser Krieg ums Überleben war mit äußerster Härte zu führen.
Menschlichkeit war des Menschen schlimmster Feind.
Der Inquisitor zog sich die schwarz verschmierten Latexhandschuhe von den Fingern und legte sie in eine bereitgestellte Schale. Dann streifte er sich die ebenso besudelte Schürze ab. Er hatte den Löwenanteil der Arbeit dem Verhörchirurgen überlassen und nur an einigen Stellen selbst eingegriffen und Fragen formuliert, die vom vorher ausgegebenen Protokoll abwichen. Einige dieser Fragen waren noch immer offen.
Das, was der Klumpen rohen Fleisches einst gewesen war, hatte nicht alles gewusst. Sie war in der mittleren Hierarchie des Befalls aktiv gewesen, hatte Einblick in einiges, aber nicht in alles.
Entsorgen Sie den Abfall. Exponate sind nicht erforderlich. Alles desintegrieren.
Der Chirurg, der gerade dabei war, eine Knochensäge zu reinigen, nickte nur.
Geyer warf noch einen letzten Blick auf das Schlachtfeld und verschwendete dann keinen Gedanken mehr daran.
Vor der Tür des Verhörraums wartete neben der Wache Elvira auf ihn. Sie reichte ihm einen Becher mit einer neblig lilanen Flüssigkeit, die der Inquisitor in kleinen Schlucken trank.
"Das Einsatzteam?"
"Hatte ein paar Stunden Ruhe und erwartet jetzt die Einweisung."
"Du hattest sie auf eine Initialmission geschickt. Wie haben sie sich dabei geschlagen?"
"Der Auftrag ist zur vollsten Zufriedenheit erfüllt worden. Etwas laut vielleicht, aber effizient und vollumfänglich."
"Gut… Ich muss meine Garderobe wechseln. Gib ihnen die Grundlagen. Ich werde dann dazustoßen und die Erkenntnisse aus dem Verhör mit ihnen teilen."
Elvira legte die Faust aufs Herz und deutete eine Verbeugung an.
Die Katze ist aus dem Sack.
Jahrzehnte – vielleicht sogar Jahrhunderte – haben sie gewartet. Während Koron III von internen Machtkämpfen zerrissen wurde, während das Chaos an den Grenzen der Welt nagte und die Häuser des Adels ihre schmutzigen Intrigen spannen, hatten sie Zeit. Zeit, sich einzunisten. Zeit, zu infiltrieren. Zeit, zu warten.
Die Symbionten.
Was als Terroranschlag begann – Kamikaze-Flugzeuge, die in die Ratshalle rasten, Mutanten, die sich durch die Korridore der Macht metzelten, Schläferzellen, die Gohmor in Angst und Schrecken versetzten – war in Wirklichkeit nur die Oberfläche. Die Spitze eines Eisbergs, dessen wahres Ausmaß niemand zu kennen wagt. Inquisitor Gallianos Geyer und eine Handvoll Getreuer stehen nun vor einer Frage, die schwerer wiegt als die angehäuften Sünden einer ganzen Welt: Wie tief geht der Befall wirklich? Und ist das, was sie bisher gesehen haben, tatsächlich die größte Bedrohung für den Planeten?
Koron 3 erzählt seit fast fünfzehn Jahren eine Geschichte, die sich nicht beeilt. Eine Geschichte, in der Fäden, die vor zehn realen Jahren gesponnen wurden, heute zu Konsequenzen zusammenlaufen. In der Entscheidungen zählen, Charaktere sterben oder wachsen, und die Welt sich wirklich verändert – nicht durch einen Reset-Knopf, sondern durch das Gewicht all dessen, was zuvor geschrieben wurde.
Das ist selten geworden.
In einer Zeit, da Geschichten in Häppchen konsumiert werden, da Aufmerksamkeit eine knappe Ressource ist und das Schreiben von drei Absätzen manchmal schon als Aufwand gilt, ist ein Forenrollenspiel wie Koron 3 ein Anachronismus.
Ein bewusster, trotziger Anachronismus.
Es gibt keine Cutscenes, keine XP-Balken, keine automatischen Belohnungen für Aktivität. Was es gibt, ist das langsame Entstehen von etwas Echtem: eine Figur, die Form annimmt. Eine Welt, die auf eure Entscheidungen reagiert. Eine Gemeinschaft, die – klein wie sie ist – das hier seit Jahren am Leben hält, weil das Aufhören sich schlicht falsch anfühlen würde.
Die aktive Spielerschaft ist überschaubar. Das soll nicht beschönigt werden. Aber vielleicht ist das auch eine Einladung: Wer jetzt kommt, kommt nicht in ein überfülltes Forum, in dem die eigene Figur in der Masse untergeht. Wer jetzt kommt, ist relevant. Von Anfang an.
Der Einstieg ist bewusst niedrigschwellig gehalten: kein 40K-Lore-Doktorat nötig, keine jahrelange Forenrollenspiel-Erfahrung vorausgesetzt. Eine kurze Charakterskizze – wie eine Akte über eine Person – reicht als Bewerbung. Den Rest klären wir gemeinsam.
Die Inquisition wartet. Geyer braucht Agenten. Und Koron III braucht Schreiber.
Wer Geschichten mag, die atmen – kommt vorbei. koron3.de