Kapitel I
Ferrus Magna
Die Flotte von Khar-Dûreg trat nicht in das System von Ferrus Magna ein, um zu erobern. Sie kam, weil etwas gerufen hatte – leise, geduldig, beinahe überhörbar unter dem Lärm eines Krieges, der nicht der ihre war. Das Signal war schwach gewesen, kaum mehr als eine strukturelle Anomalie im planetaren Rauschen, verborgen zwischen imperialen Übertragungen und chaotischen Störmustern. Es war kein Notruf. Kein aktiver Sender. Es war Regelmäßigkeit. Ein Takt, der nicht zufällig entstand.
Thrynja hatte die Daten überlagert, Schicht um Schicht, bis sich unter der Makropole ein Muster abzeichnete, das nicht in menschliche Baupläne passte. „Die Signatur entspricht frühen Votann-Speicherarchitekturen“, hatte sie schließlich gesagt, ohne Pathos, ohne Spekulation. „Beschädigt. Unvollständig. Aber kompatibel.“
Das genügte. Ferrus Magna war kein Versprechen. Ferrus Magna war Pflicht.
Die Oathband landete in den Randzonen der Makropole, dort, wo Besitzverhältnisse täglich neu ausgehandelt wurden. Die Kin bewegten sich mit der ruhigen Selbstverständlichkeit eines Volkes, das nicht expandiert, sondern bewahrt. Sensorbohrungen wurden gesetzt, Schächte vermessen, alte Versorgungstrassen kartiert. Sie nahmen keinen Raum ein – sie maßen ihn, prüften ihn, bewerteten seine Tragfähigkeit.
Die ersten, die den Krieg zu ihnen brachten, waren die World Eaters. Sie kamen frontal, mit dem Willen zur Nähe, mit Lärm und Stahl. Der Ansturm traf wie ein Sturm gegen Fels, brutal, ungebremst, überzeugt davon, dass Geschwindigkeit genügte. Hearthkyn fielen unter dem ersten Aufprall, Kettenäxte fraßen sich in Panzerplatten, und Staub wurde zu rotem Nebel. Doch die Linie hielt. Thunderkyn legten schweres Feuer in die Angriffsachsen, Sagitaure verschoben sich, schlossen Winkel, schnitten Schneisen in die vorrückende Masse. Bârin trat selbst in den Nahkampf, sein Hammer traf mit der Schwere eines einstürzenden Fördergerüsts. Der Anführer der World Eaters suchte das Duell und fand es – laut, wütend, überzeugt von der eigenen Unvermeidlichkeit. Bârin antwortete nicht mit Worten. Er verkürzte die Distanz, nahm der Waffe ihren Raum und ließ den letzten Schlag im Staub enden. Als der Lärm verebbte, standen noch Kin. Nicht alle. Aber genug, um zu wissen, dass Nähe allein kein Sieg ist.
Die Iron Warriors kamen anders. Zuerst veränderten sich nur die Feuerwinkel auf den Anzeigen. Dann erschienen schwer gepanzerte Silhouetten zwischen zerborstenen Kränen und Stahlträgern. Kein Sturm. Kein Gebrüll. Nur langsame Verschiebung. „Sie vermessen“, hatte Thrynja gesagt, und die Einschätzung erwies sich als präzise. Überlappende Feuerlinien schnitten durch Deckung, Hearthguard gerieten unter konzentrierten Druck, und jeder Schritt vorwärts kostete Raum. Die Land Fortress rückte vor, Thunderkyn bündelten Energie auf einen der gegnerischen Dreadnoughts, rissen seine Panzerung auf – doch er fiel nicht. Der Krieg verschob sich, als Terminatoren hinter ihrer Linie materialisierten, nicht heroisch, sondern notwendig. Der Hearthguard-Champion führte seinen letzten Vorstoß mit tödlicher Entschlossenheit, zerschmetterte Schilde, riss Krieger nieder, doch der Druck verlagerte sich erneut. Bârin stellte sich einem angeschlagenen Contemptor entgegen, doch die Maschine suchte nicht den Sieg – sie suchte Bindung. Währenddessen arbeiteten die Iron Warriors an der Land Fortress wie an einer Belagerung, systematisch, ohne Eile. Platte für Platte wurde geöffnet, bis die Maschine schwer in sich zusammensackte. Kein Feuerball. Kein Triumph. Nur das Verstummen von Stahl. Ein Sagitaur entkam unter Kjarns ruhiger Führung durch Rauch und Gegenfeuer, doch zwei Datenknoten gingen verloren. Später sagte Thrynja nur: „Sie rechnen nicht linear.“ Bârin nickte. Die Oberfläche war kein Ort für Geduld.
Der Rückzug führte sie in die Schwefelgruben, dorthin, wo der Krieg weniger sichtbar war und das Signal unter der Makropole unverändert blieb. Als Kjarn den Hohlraum meldete, begann die Freilegung kontrolliert. Der Tunnel zeigte zunächst menschliche Bearbeitung – gerade Schnitte, alte Verankerungen –, doch mit zunehmender Tiefe verlor sich diese Ordnung. Der Stein wurde unruhig, Feuchtigkeit sammelte sich, und schließlich kam der Geruch. Thrynja glich Muster ab, bevor sie sprach. „Biomorphes Wachstumsmuster. Klassifikation: Geenräuber.“ Die Kaverne öffnete sich wie eine Wunde im Fels, durchzogen von pulsierender Biomasse. Als die Kreaturen aus den Schatten stürzten, wurde der Tunnel zur Engstelle. Hearthkyn feuerten kontrollierte Salven, Bârin trat vor, sein Hammer schleuderte die erste Bestie gegen den Fels. Ein Kin ging unter mehreren Angreifern zu Boden, und während Raska seine Datenübertragung bestätigte, sprach er noch von einem stärkeren Geruch nahe dem Kern. Seine Worte wurden gespeichert, sein Körper geborgen. Dann brach Verstärkung durch den Zugang: Hekaton-Landfestungen füllten den Tunnel mit Stahl und Licht, Thunderkyn legten konzentrierte Entladungen in die Biomasse, bis der Brutknoten selbst zuckte. Sprengladungen wurden gesetzt, der Rückzug erfolgte geordnet, und die Detonation ließ den Hohlraum in sich zusammensacken. Zurück blieb verbrannter Geruch und die Gewissheit, dass etwas in tieferen Ebenen reagiert hatte.
Der Verband formierte sich neu, schwerer und enger zusammengeschlossen als zuvor, und setzte seinen Weg nach unten fort. Thrynja registrierte regelmäßige Strukturen unterhalb der Makropole, nicht menschlich, nicht tyranid, älter als beides. In diesem Moment brach ein Funksignal durch das Rauschen. Eine menschliche Stimme, gepresst zwischen Explosionen, meldete den Fall des Raumhafens von Ferrus Magna und bot Koordinaten, Daten, alles, was noch von Wert war, gegen Unterstützung an. Die Übertragung blieb offen, flackernd wie eine Wunde im Äther.
Die Kin standen in der Dunkelheit des Tunnels, zwischen einem brennenden Raumhafen über ihnen und einem unbekannten Ursprung unter ihnen. „Wir sind nicht ihre Retter“, sagte Raska leise. Thrynja ließ Szenarien durchlaufen, bewertete Risiko gegen Informationsgewinn. „Sie bieten Daten. Daten haben Wert.“
Bârin blickte in die Tiefe, dorthin, wo das ursprüngliche Signal wartete. „Ermittelt ihren Preis“, sagte er schließlich ruhig. „Dann sprechen wir.“