Eine Neue Kurzgeschichte aus den Reihen meiner Amber Lions. Wünsche viel Spaß beim Lesen, gerne auch ein Feedback von Euch!
Die Brücke von Blut und Eisen
Der Imperiale Kreuzer erinnerte sich daran, was er gewesen war. Mit einem verzweifelten Rest alten Stolzes prangte noch immer der glorreiche Name
Justiciar Invictus an den Panzerplatten seitlich am Rumpf des großen Schlachtschiffs – doch diese Erinnerung war nun nicht mehr, als unsäglicher Schmerz.
Bruder-Sergeant Arsan spürte es, als seine Stiefel den Boden des Schiffes berührten - nicht über Sensoren, nicht über das Auspex, welches der Space Marine an seiner Seite trug, sondern tief in seiner Brust, dort, wo selbst ein Astartes noch etwas spüren konnte, das jenseits von Pflicht lag.
„Deck ist instabil“, meldete Bruder Kaelor, der sich gewöhnlich lieber auf das Auspex verließ. „Energiewerte schwanken stark.“
Arsan nickte.
„Ich spüre es - Das Schiff leidet.“
Rauch hing wie ein Schleier in den Korridoren. Arsan atmete ihn prüfend ein.
Es stank nach altem Blut, Fäulnis und verwundeter Elektrizität. Warnrunen auf seiner Netzhaut zeugten vom großen Verschmutzungsgrad der Luft und seine verpflanzten Spezialorgane begannen sofort mit der Filterung der schädlichen Anteile. Dem beißenden Geschmack von Ammoniak, der aus zerrissenen Kühlkreisläufen trat, konnte er ohne Helm aber nicht entgehen.
Das Deck, auf dem sie sich befanden, war in einem schlechten Zustand: Funken stieben hier und da von zerschlagenen Deckenlumen und in der Schummrigkeit der Gänge hingen Kabel und geriffelte Rohre von der Decke, die Öl und hydraulische Flüssigkeiten bluteten. Alte imperiale Schriftzüge waren mit roher Gewalt abgeschlagen und entweiht worden, die Aquila am Kreuzungsdurchgang vor ihnen war zerbrochen, ihre Flügel als Trophäen mit krummen Bolzen an blutverschmierte Wände genagelt. Das Leben schien aus den Gängen und Decks gewichen zu sein, wie Blut aus einer aufgerissenen Arterie, und zurück blieb nichts als eine greifbare Leere – besudelt, geschändet, tot.
„Sie haben ihr das Herz herausgerissen“, murmelte einer der Brüder, ein gedrungener Krieger in rostroter Rüstung.
Neben Arsan erklangen bedächtige Schritte und etwas Knochenweißes schob sich aus dem Schatten. Der Sergeant spürte die Aura seines alten Gefährten, ehe dessen Stimme im Vox erklang: „Herausgerissen ist es noch nicht, mein Bruder vom fernen Mars“, widersprach Ribon M’Besi dem Techmarine zu Arsans Rechten.
Der Apothekarius wirkte wie immer ruhig, beinahe sanft inmitten der Zerstörung. Seine Stimme war leise, aber klar.
„Ein Herz kann verletzt werden“, sagte er. „Aber solange es schlägt, kann es auch gerettet werden – deshalb sind wir hier.“
Ein fernes Beben ging durch den gemarterten Rumpf und grollte wie weit entfernter Donner – ein Warp-Test.
Arsan ballte die Faust, Ceramit schabte zwischen seinen gepanzerten Fingern.
„Dann beeilen wir uns.“
Die Trennung der Trupps war kein feierlicher Moment.
Nur kurze Blicke, Nicken, Abgleiche taktischer Signale. Die Landung schien tatsächlich unbemerkt geblieben zu sein – Arsan hatte seine Zweifel gehabt, ob sie überhaupt Fuß an Deck des alten Kreuzers setzen können würden, doch anscheinend war Commodore Agneta Du-Lante von der Imperialen Flotte mit ihrem Ablenkungsmanöver derart erfolgreich, dass kein einziger Feind an Bord mitbekommen hatte, wie die beiden Thunderhawks ihr eigenes Kampfschiff verlassen hatten und an den Raum-Riesen herangeschlichen waren. Sie hatten darauf geachtet, sich im Schatten der zerstörten Wracks zu nähern, welche von den Begleitschiffen des großen Kreuzers übrig waren. Die Flottille um das Schiff war nicht unerheblich und hatte den Angreifern zugesetzt, doch letztlich waren davon nur zerfetzte Trümmer geblieben, zwischen denen sich die mit Melterbrennern ausgerüsteten Thunderhawks an die
Invictus heranpirschen konnten.
Es war ein Tanz auf Messers Schneide, die Landungsboote mit Grav-Ankern an der Außenhülle des ehemaligen Imperiumsschiffs festzumachen – im Falle der Entdeckung währen sie leichte Ziele. Doch der Feind schien zu beschäftigt, die scheinbar flüchtenden Jagdschiffe der Imperialen Flotte zu beschießen, die den Köder spielten, um die Mission möglich zu machen.
Arsan sah vom Auspex seines Bruders auf, als ein Schatten auf sie fiel.
Sika trat vor.
Er trug wie Arsan seinen Helm noch am Gürtel. Das verwegene Gesicht des Kriegers war von Narben gezeichnet und Zeugnis eines harten Lebens im Dienste der Menschheit. Sein Blick dagegen lag ruhig wie ein stiller See vor einem Sturm auf Arsan. Die bionische Prothese an Sikas Schulter, die seinen kompletten rechten Arm ersetzte, summte leise.
„Maschinenraum“, sagte er knapp, denn alle kannten ihre Ziele. „Adrion muss bereit sein.“
Bei diesen Worten trat der Techmarine von der zerborstenen Konsole zurück, an der er gestanden hatte und brauchte einen Moment, die Beklemmung abzuschütteln, die sich sichtlich über seinen Geist gelegt hatte.
„Der Maschinengeist schreit“, sagte er, die Züge hart wie Plaststahl. „Er wurde... gezwungen. Er wird vielleicht sterben, wenn wir ihn nicht beruhigen.“
Sika nickte langsam.
„Dann bringen wir dich zu ihm.“
Arsan brachte die Schulter nach vorne, griff zu und legte Sika eine Hand um den Unterarm.
„Komm zurück, Bruder“, sagte er.
Sika erwiderte den Griff und sah ihn an. Ein Hauch von etwas, das ein Lächeln hätte sein können, umspielte seinen vernarbten Mund, die Bernsteinaugen glühten im dunstigen Schummerlicht des Gangs wie Kerzen hinter seinem halblangen Haar, das ihm in Strähnen ins Gesicht hing.
„Du auch.“
Dann trennten sich die Wege.
Grimskrag liebte den Lärm.
Das Heulen des Warpantriebs und das Vibrieren des Decks waren für ihn Musik. Es klang nach Macht, nach Bewegung, nach dem Versprechen von Schlachten. Manchmal stellte er sich vor, seine Götter Gork und Mork lachen zu hören, wenn der Geist einer so gewaltigen Maschine aufschrie. Und dieser hier schrie besonders laut.
Er hockte auf einem Gerüst aus Metallstreben und Servitorresten und betrachtete sein Werk. Kabel waren wie Gedärme freigelegt, Runen zerkratzt, heilige Siegel mit kruden Glyphen überhämmert.
„Du warst ma‘ lahm“, knurrte er dem Antrieb zu und zog sich das Mek-Kap auf seiner dicken, wulstigen Stirn zu Recht. „Aba jetz‘ biste richtig.“
Der Maschinengeist antwortete mit einem schrillen Warnsignal.
Seit Tagen schraubten und tüftelten Grimskrag und seine Boys nun schon an dem Warp-Antrieb, den die spielverderberischen Menschen deaktivieren konnten, kurz bevor sie alle ins Gras gebissen hatten. Doch das würde am Ende nur ein klein wenig Zeit kosten, mehr nicht. Er war auch fast fertig – schon bald würde der Warp-Antrieb aufheulen und ihn und seine Brüder, geleitet von Gork und Mork persönlich, durch das Immaterium bringen, weit weg von hier, und zu sagenhafter Beute.
Grimskrag lachte laut und böse.
„Hör auf zu jammern, Mensch’n-Mek!“, rief er und stampfe mit dem Stiefel auf ein Stück Cogitatorverkleidung. „Du gehöast jetz‘ da Mek-Boss! Du-“
Dann vibrierte der Boden anders.
Schwer. Rhythmisch. Es kam auch nicht aus dem Reaktorraum des Antriebs, sondern eher von Draußen herein.
Grimskrags Boys ließen verdutzt von ihrer Arbeit ab sahen einander an, der Mek verzog das Gesicht und seine wulstigen Augenbrauen verengten sich.
„Hm...?“
Mit einem Donner explodierte das Schott zum Maschinenraum. Bolterfeuer flutete herein wie ein Insektenschwarm und riss Orks in Stücke. Körper flogen, Blut spritzte auf alte Konsolen. Grimskrag taumelte zurück, riss eine Energieklaue hoch.
„Da Spez-Marinz-Menschn’s!“, grölte der Ork und seine Augen weiteten sich, als der Kampfrausch in ihm empor schoss. „Haut se klein, Jungz!“
Orks die die erste Welle präzisen Beschusses überlebt hatten, schüttelten ihre Überraschung ab, ließen Werkzeuge fallen und hoben Waffen, wo immer sie Gelegenheit hatten.
Unter dem immensen Heulen und Wehklagen des gemarterten Maschinengeists unentdeckt, trafen im Reaktorraum präzise und blutrünstige Gewalt aufeinander und gebaren Blut.
Auf der Brücke starben zwei Brüder, noch bevor sie einen Ork sehen konnten. Der erste von ihnen war Kaelor.
Eine improvisierte Mek-Falle, so rudimentär, dass selbst das Auspex sie nur für Schrott gehalten hatte, detonierte in der Decke. Splitter rissen von Oben durch seine Rüstung, drangen tief ein. Kaelor taumelte kurz, und fiel.
„Bruder verwundet!“, rief jemand.
Ribon war sofort bei ihm als wäre er überall, fing seinen Bruder auf, noch ehe er zu Boden schlug. Schnell – und doch zu spät.
Kaelor packte Ribons Arm.
„Ha-b…?“ Die Stimme erstickte in sprudelndem Blut.
Ribon nickte.
„Ich schwöre es, Bruder“, sagte er ernst.
Kaelor starb mit diesem Wissen.
Als sich der Apothekarius sofort daran machte, die Gensaat des Gefallenen zu bergen, trat Arsan wortlos an Ribon heran. Er war froh, nun den Helm zu tragen – so konnte er Trauer und Frustration vor den Anderen verbergen. Kaelor war einer der besten Marines gewesen, die –
„Bruder-Sergeant!“
Der Ruf reichte gerade, um Arsan zu zeigen, wie der zweite Bruder fiel: Ein greller Lichtstrahl drang durch das halb aus den Angeln gerissene Schott der Brücke, und durch Bruder Thain. Der Space Marine sackte auf die Knie, ein Loch von der Größe einer Orkfaust in der Flanke.
Wildes Lachen und Gebrüll folgte dem Lichtstrahl, durch die auseinanderklaffenden Metallflügel des Zugangs konnte Arsan nun Bewegung sehen – Orks.
Niedere Mek’s und etwas Großes, das laut lachte.
„Ich werde einen Augenblick brauchen, Sergeant“, sagte Ribon ruhig, während er Thains vitalwerte scannte und ihn für tot befand, ohne aufzuhören, Kaelor die Gensaat zu entnehmen.
„Lassen Sie sich Zeit, Bruder“, antwortete Arsan knapp und löste Boltpistole und Kettenschwert gleichzeitig von der Hüftpanzerung.
„Tigahni, du bleibst beim Apothekarius, Abrückweg sichern!“
Der Marine bestätigte mit einer lautlosen Rune, die in Arsans Sensorium aufleuchtete, und drehte sich in die Schatten des Gangs.
Erste Kugeln und Laser stieben zwischen den halboffenen Schottflügeln hervor, die die Orks dahinter als Deckung nutzten.
Arsan nickte ungerührt dem Bruder rechts von ihm zu.
„Gamino“
„Schon dabei, Bruder-Sergeant“, antwortete der Marine zornig, dessen Rüstung bereits in blauen Schimmer getaucht war, da er seinen Plasmawerfer auflud.
Das Poltern und Grölen wurde lauter, großkalibrige Patronen schossen in den Gang und über den seelenruhig arbeitenden Ribon hinweg.
Bruder Gamino ging auf ein Knie, hob den schweren Plasmawerfer an die Schulter – Geschosse prallten von seiner Brust und sogar seinem Helm ab, doch er ließ sich nicht beirren. Sein Finger fand den Abzug.
Die gleißende Plasmakugel jagte einem langsamen Blitz gleich durch den Korridor und schlüpfte zwischen den Stahlflügeln hindurch.
Einen kurzen Lidschlag lang schien paradoxe Stille über die Ork-verseuchte Raumschiffbrücke gekommen zu sein.
Dann explodierte das Plasmageschoss.
Der Lärm war ohrenbetäubend – knisternde Hitze vermischte sich mit wütendem Gebrüll, als die Orks hinter dem Schott zu Schlacke zerkocht wurden. Die Torflügel schließlich rissen vollends aus den Angeln und stürzten quietschend und scheppernd zu Boden.
Die Amber Lions stürmten vor - Sechs bis an die Zähne bewaffnete Marines.
Mit kalter Präzision schritten sie durch die leckenden Plasmaflammen und Bolter donnerten, als sie die Brücke zurückeroberten.
Arsan ließ sein Kettenschwert heulen, und als der erste große Ork mit stinkend verbrannter Haut und wildem Hass in den Augen auf ihn zu stolperte, versenkte er die Klinge bis zum Motorgehäuse in seinem Leib. Er riss sie aufwärts, einen Nebel aus dunklem Blut aufsteigen lassend, nur durchdrungen von den düsteren, roten Thermalglaslinsen seines Helms. Er stieß den zerlegten Leichnam beiseite und sah sein Ziel – Einen grotesken Big Mek.
Umringt von einer grölenden Meute teils Tech-modifizierter Orks, zeigte die Grünhaut mit einer protzigen Energieklaue auf ihn und brüllte etwas, während japsende Grots versuchten, die tragbare Hochenergie-Kanone nachzuladen, die er sich an den anderen Arm geschraubt hatte.
„Schockastick hat Priorität“, voxte Arsan kalt und hob die Boltpistole.
Sie mussten sich beeilen – niemand wusste genau, wie viele Orks an Bord des riesigen Schlachtschiffs waren, aber ganz sicher wusste jetzt jeder von ihnen, dass die Space Marines auch hier waren und solange ihr Boss lebte, waren die Grünhäute gefährlich.
Die Zeit arbeitete nun gegen sie.
Im Maschinenraum brach die Abwehr der Besetzer dagegen schnell. Blau und Bernsteinfarben-gerüstete Space Marines glitten wie ein scharfes Messer durch die von Orks und ihrem Unrat verseuchte Reaktor-Halle und ließen nichts am Leben, was grüne Haut hatte.
Ein Bruder wurde schwer verwundet, streckte noch im Liegen weitere Orks mit präzisen Schüssen nieder. Zwei weitere Marines bluteten das heilige Blut Dorns auf die schmutzigen Maschinenraumgitter des Bodens, doch sie standen – und schlachteten die Orks, so wie sie kamen.
Zwischen all dem ruhte Adrion, auf ein Knie herabgesunken.
Der Techmarine hatte sich kaum am Kampf beteiligt, sein mechanischer dritter Arm hatte beiläufig einen wuselnden Grot zerquetscht, als dieser mit einer rostigen Knarre auf ihn losgegangen war. Nun befand sich der rot gerüstete Tech-Bruder am Zugang zum Hauptkogitator, direkt vor dem zentralen Reaktorblock und konzentrierte sich ganz auf seine Aufgabe.
Das Brummen, das in der schmutzigen Luft des Raumes lag, hatte ohrenbetäubende Ausmaße erreicht und dem technisierten Amber Lion vibrierten seine augmentierten Kiefer. Der Warpantrieb begann zu überladen. Energie wogte wie Windböen durch die Halle.
Grimskrag schleuderte ein schweres Spulenfass auf einen Space Marine und rief seine Boys zu Hilfe, doch es sah nicht gut für sie aus. Die Space Marine-Menschen waren stark und präzise - Aber einen würde er mitnehmen!
„Spez-Marin‘! Ich will dein‘ Kopf!“, grollte er, als er seine mechanisch gestützten Beine antrieb, um auf den Bruder zuzustürmen, der nach dem Treffer mit dem Fass taumelte. Die roten Linsen seines Helms leuchteten bedrohlich, doch Grimskrag würde sie ihm herausreißen.
Sein Ansturm nahm Fahrt auf, aber ehe er den Amber Lion erreichte, explodierte wilder Schmerz in seiner rechten Flanke.
„Da Mensch’nz kämpf’n unfair!“, schrie er voller Hass, als er taumelte und sich drehte, um dem feigen Schützen zu begegnen, doch dieser hatte zu Grimskrags Überraschung gar nicht vor, unfair zu kämpfen – Er stand direkt neben ihm.
Der Ork brauchte eine Sekunde, brüllte dem Space Marine dann seinen faulen Atem ins Gesicht und riss seine Kampfhandschuhe hoch, doch der Astartes war viel schneller. Er fing den Hieb des Orks fast beiläufig mit der rechten Armschiene ab, tauchte unter dem linken Schwinger weg, was Grimskrag zusätzlich Balance nahm und mit einem einzigen, gezielten Stoß jagte der Amber Lion dem Mek sein Kampfmesser quer durch den Schädel.
Das Letzte, was Grimkrag hörte, war das dumpfe Lachen von Gork und Mork, als sie ihn in ihr Reich holten.
Adrion schwitzte, seine Augäpfel zitterten so sehr, das seine Tränenkanäle bluteten.
Sein ganzer Schädel vibrierte, als säße er auf einer Rüttelplatte.
„Ich brauche Zeit!“, rief er blechern, ohne recht wahrzunehmen, was um ihn herum geschah.
„Die hast du“, sagte Sika, dessen Stimme seinen Bruder im Vox mit einer kühlen Gelassenheit erreichte, dass dieser beinahe überrascht war.
„Ich...“
Ein Ork donnerte auf ihn zu und holte zum Schlag aus, eine grobe Klaue blitzte.
Eine bionische Schulter fing den Schlag ab – Funken stieben auf.
„So viel du brauchst, Bruder“, fügte der Sergeant ruhig hinzu.
Er tötete den brüllenden Ork.
Adrion konzentrierte sich noch stärker. Sein Nervensystem war mit dem primären Geist der riesigen Maschine verbunden, was seine Seele bis zum Zerreißen spannte.
Eine Salve Boltpatronen, die er nicht einmal wahrnahm, fegte Zentimeter über seine kniende Gestalt hinweg und in den Leib eines weiteren Orks, der auf ihn zugestürzt war. Scheppernd viel das riesige Hackmesser neben ihm zu Boden.
Der Techmarine ächzte, seine Bernsteinaugen glühten.
Er setzte die letzte Rune.
Dann – war es vorbei. Der Maschinengeist beruhigte sich beinahe augenblicklich, als hätte er endlich erkannt, wer bei ihm war. Das Heulen verklang in Sekunden zu einem tiefen, gleichmäßigen Puls.
„Er… lebt“, sagte Adrion leise zu sich selbst und sank erschöpft in sich zusammen.
Schockastick gelang ein weiterer Schuss.
Feuer brach aus, als die Hochenergie-Kanone einen gleißenden Lichtstrahl durch die Brücke sandte und einen abgewetzten Cogitatoren-Block in Brand setzte.
Rauch wallte und verschlang sofort die kränkliche Beleuchtung der alten Raumschiffbrücke. Orks stolperten ziellos umher.
Ein Boss in einer skurril mechanisierten Halbrüstung schaffte es, mit einem um den Arm geschnallten Bolter einen Amber Lion anzugreifen und niederzustrecken, doch dann war das Patt zu Ende – Die Orks, die nicht mehr atmen konnten, stürzten röchelnd und mit den Armen rudernd aufeinander, blind von den giftigen Dämpfen, die ihre Augen marterten.
Die Amber Lions aktivierten ihre Infrarot-Sicht und massakrierten die verbliebenen Orks in Sekunden, ohne ihnen Zeit zum Reagieren zu lassen.
„Du bist an der Reihe, Kreatur“, sagte Arsan laut und gab Gas. Das Kettenschwert in seiner Hand kreischte angriffslustig, als die Zähne die Kettenklinge entlangschabten.
Zwei seiner Brüder schritten an Arsans Seite als er sich auf den Weg machte, den Kopf des Big Mek’s einzufordern.
Draußen im Gang erhob sich Ribon und legte an; Er hatte die Gensaaten seiner Brüder entnommen und präzise wie der Krieger, der er war, feuerte er in den Korridor hinter sich. Seine Boltpistole spie Tod, der Mob, der ihn bedrängte, trug meist keine Helme und er konnte die Orks fast alle mit einem einzigen Boltgeschoss töten.
Ribon war ein erfahrener Schütze und verlangsamte die anbrandende Flut, doch das allein konnte die nachrückenden Feinde nicht von ihm fernhalten.
„Gehen Sie, Bruder-Apothekarius“, sagte Thigani, als er mit dem Kampfmesser in der Faust aus dem Schatten trat, den er bereits mit einem Dutzend Orkleichen gefüllt hatte.
Der Bruder kämpfte nah, kalt und absolut brutal – wie das Raubtier, das in ihm steckte.
Er zertrümmerte Schädel, riss Adamsäpfel entzwei, brach Genicke und trieb sein Messer in Bäuche und Brustkörbe, wann immer er konnte.
„Sie kommen nach, Bruder?“, fragte Ribon. Es lag Ernst in seiner Stimme.
„Wir werden sehen“, knurrte Thigani und entleibte einen großen Ork, den er mit einem Tackling aus einer Deckung heraus zu Fall brachte.
Er hob seinen freien Arm und rammte ihn mit einem heftigen Stoß direkt in das Gesicht des nächsten Angreifers, zeitgleich öffnete er die geschwungene Hand und eine Splittergranate detonierte nicht weit von seiner Position.
„Der Imperator beschützt, Bruder“, sagte Ribon mit beinahe feierlichem Unterton, dann eilte er ohne umzusehen los, seinen Brüdern in die Kommandobrücke folgend. Den Mek-Boss zu eliminieren war das prioritäre Ziel ihres Trupps, doch seine spezielle Aufgabe war eine andere, und Ribon würde diese Aufgabe erfüllen – so wie Thigani, Arsan, Sika und alle anderen die ihren.
Als die Kämpfe endeten, war die Stille schwer, wie der Rauch, der die Kommandobrücke in dichtem Dunst gefangen hielt. Etwaige Luftabzüge und dazugehörige Umwälzpumpen gab es nicht mehr, da die Orks alles zerlegt hatten, was sie für etwas Besseres gebrauchen konnten.
Arsan stand auf der Brücke, stumm, nahe den Leichen seiner Brüder. Krieger, die er teils lange gekannt, und teils erst kürzlich kennen gelernt hatte. Das Leben so vieler Bernsteinlöwen endete weit vor der Zeit, doch sie würden hier nicht bleiben. Sie würden erneut ihren Platz im Orden finden. Ihre Gensaat würde der Lebenshauch neuer Astartes sein, als Teil des ewigen Kreislaufs, und ihre Namen auf ewig den Infinity-Hain zieren. Dafür würde er sorgen.
Ceramitstiefel näherten sich mit bedächtigem Klonken auf dem mit Blut, Feuer und Unrat übersäten Stahlboden. Ribon trat neben ihn.
„Vier“, sagte Arsan. Er kannte diese Zahl genau – das tat er immer.
Ribon nickte.
„Sie haben ihre heilige Pflicht erfüllt. Nun sind sie Teil des Kreislaufs.“
Sein Blick fiel auf den dampfenden Kadaver ein Stück vor ihnen: Ein Berg von einem Ork, die Rüstung aufgerissen, die unmenschlich große Kanone von seinem Arm abgetrennt, den Schädel zerborsten.
Arsan hatte Schockastick nicht einfach ausgeschaltet – er hatte ihn vernichtet.
„Sie haben Leben gerettet, die sie nie kennen werden, Bruder. Die Mission war ein Erfolg – hätten es die Orks geschafft, das Schiff Warp-fähig zu machen, wären sie mit seiner Feuerkraft eine immense Bedrohung für umliegende Systeme gewesen.“ Der Apothekarius wies mit einer ausschweifenden Handbewegung um sich. „Die Mechanikus werden darüber hinaus sehr zufrieden sein.“
Arsan senkte den Kopf. Er antwortete lange nicht – In seinen Gedanken war er bei denen, die er hier her geführt hatte: Krieger, Löwen von Shimba allesamt, mit der Kraft wilder Bestien und den Herzen voller Mut, dort zu stehen, wo sie stehen mussten: Zwischen der Menschheit, und der Dunkelheit.
Die Vertreter des Maschinenkults Ferrum Vinculi trafen sechs Stunden später ein.
Rotgewandete, scheppernde und nach Ölen riechende Gestalten, die Abgesandten der Mechanikus vom mächtigen Schmiede-mond Lysios-IX, begleitet von Servitoren und endlosen Litaneien des Maschienengottes. Sie betraten den Kreuzer ehrfürchtig – und mit unverhohlener Wut.
„Die Schändung ist... erheblich...“, sagte der leitende Magos nässelnd, mehr zu sich selbst denn zu den abgekämpften, blutverschmierten Astartes, die ihm gegenüber aufragten, wie himmelblaue Felsen. Er schien sie gar nicht war zunehmen und orangene Gitterraster flirrten hinter seinen Ocularen. „Und doch, so scheint es als ob… ja. Das Herz ist intakt.“
Adrion trat vor. Seine rot gepanzerten Hände machten eine Geste und formten das Zeichen des Zahnrads zum ehrerbietenden Gruß.
„Der Maschinengeist ist weitgehend stabil, Magos. Er musste viel erdulden, doch er vertraute sich mir an – er wird auch Euch vertrauen.“
Der Abgesandte des Mechanikums hielt inne. Seine Okulare surrten und klickten, als sie zu der wuchtigen Gestalt des viel größeren Techmarine empor blickten.
„Ungewöhnlich...“
Adrion übergab die Datenkristalle.
„Die
Justiciar Invictus gehört wieder dem Imperium“, sagte er und senkte den Kopf in Ehrfurcht.
Der Magos neigte den Kopf ebenfalls unmerklich – eine Geste, die bei seinesgleichen selten war.
„...den Mechanikus“, stellte er trotz der erwiderten Ehrbezeugung jedoch unmissverständlich fest.
Als die Amber Lions abzogen, blickte Arsan ein letztes Mal zurück.
Viel blieb zu tun, doch die
Justicar Invictus würde wieder fliegen. Die Orks waren zerschlagen und ihrer Beute beraubt, die Sterngegend gesichert. Die Grünhäute würden das Interesse an dieser Region bald verlieren und anderswo keinen Schaden anrichten können – zumindest einstweilen. Der Bund mit den Mechanikus war erneuert und die Pflicht, einander in Notzeiten beizustehen, sie war erfüllt.
Die Löwen hatten gesiegt. Dieses Mal.
„Kommen Sie, Bruder“, sagte Ribon sanft und schritt voran. „Lassen Sie uns das Ritual der Heimkehr vorbereiten.“
„Ja...“, murmelte Arsan für sich selbst.
„...bringen wir sie heim.“