@Lazarus: Fühl dich nicht beleidigt, die Aussage war eher von Ironie und Übertreibung geprägt als von dem Willen jemanden ernsthaft nur wegen einer anderen Meinung zu beleidigen 😉 Ist halt meine Art, die kommmt leider nicht immer an.
@Medjugorje: Da ich anhand deiner Schreibweise davon ausgehe, das du eher daran interessiert bist mich zu trollen statt das du wirklich dieses Buch so unglaublich gut findest, wollte ich eigentlich keine Zeit aufbringen und dir dezidiert dar legen was ich so schlimm finde an diesem Roman. Aber wie es der Zufall so will habe ich eine gute Review gefunden die fast komplett Deckungsgleich mit meiner Meinung ist.
"Dass die Horus Heresy-Romane keine Schätzchen für konservative Fluff-Anhänger sind, dürfte sich ja inzwischen schon rumgesprochen haben. Zu groß waren die Veränderungen bislang, die von den verschiedenen Autoren im Vergleich zum bis dahin bestehenden Hintergrund getätigt wurden: Horus wurde von einem Eingeborenen-Stamm auf den Weg des Chaos gebracht, Alpharius ist ein Doppel-Primarch mit zwei Körpern die sich einen Seele teilen, die Thunder-Warrior existieren immer noch als Despoten auf Terra, Ferrus Manus ist nicht verschollen, sondern wurde von seinem Bruder Fulgrim im Zweikampf geköpft usw usf. Bislang konnte ich persönlich zumindest über alle Neuerungen hinwegsehen und sie zumeist (auch wenn hier und da mit ein wenig Bauchweh) akzeptieren. Das, was Gav Thorpe aber bei "Deliverance Lost" verbricht setzt dem Ganzen die Krone auf. Aber der Reihe nach. Zunächst einmal kurz zum Überblick über die Handlung des Romans:
Corax und ein paar Tausende seiner Raven Guard werden nach dem Landungsfeldmassaker auf Isstvan gerettet und machen sich prompt auf den Weg nach Terra, um dort Hilfe vom Imperator zu erbitten. Hilfe, die Legion neu aufzubauen um schnellstmöglich Rache an Horus und den übrigen Ketzer-Primarchen nehmen zu können. Der Imperator gibt seinem nicht nur körperlich, sondern auch seelisch verletzten und erschütterten Sohn, wonach ihm verlangt und schickt ihn zurück nach Deliverance, um dort seine Forschungen zu einem fruchtbaren Ende zu führen. Corax ist jedoch so besessen damit, sich erneut in der Schlacht zu beweisen und die Schmach zu tilgen, die er auf Isstvan erleiden musste, dass er auch vor Warnungen seines Vaters und seiner Astartes nicht zurückschreckt und auf verbotenes Wissen zurück greift, um in Windeseile wieder eine Streitmacht aufs Feld schicken zu können. Was er nicht ahnt ist, dass seine Reihen inzwischen von Verrätern der Alpha Legion unterlaufen wurden, die auch auf Deliverance und Kiavahr ihre Fallen in Stellung gebracht haben, um die Tech-Gilden in einen Bürgerkrieg gegen ihre Besatzer zu führen und in den folgenden Wirren nicht nur das Wissen der Raven Guard zu stehlen, sondern sie auch endgültig zu vernichten.
Dass die Raven Guard nicht direkt nach Deliverance zurück kehrt sondern einen Abstecher über Terra macht ist hierbei noch verschmerzbar, genau wie die Einmischung der Alpha Legion, auch wenn die Tatsache, dass diese scheinbar hinter jeder Boshaftigkeit zu stecken scheint, die in der jüngeren Geschichte der HH-Romane zu Tage trat, langsam ermüdend ist. Was aber wirklich völlig daneben ist, dass DIE zentrale Stelle im Fluff der Raven Guard, der Moment in dem sich Corax entscheidet die Züchtung neuer Marines zu beschleunigen, ganz gleich wie riskant dies auch sein mag, nun nicht mehr der Moment ist, in dem der Primarch seine Legion selbst verdammt, sondern dass - ACHTUNG SPOILER - nun jemand anderes seine Finger im Spiel hat und hier die Zügel in der Hand hält. Nicht die beschleunigte Zygotenernte ist Schuld daran, dass die Gensaat der Raven Guard Flecken erhält und es zu vermehrten Mutationen kommt, nein die Alpha Legion ist es. Die Alpha Legion, die die Gensaat der Raven Guard mit einem Warp-Virus infiziert und sie dadurch vernichten will, und während im bisherigen Hintergrund die Werbestien degenerierte Monster sind, die nach dem Blut ihrer Gegner dürsten und sich kaum auf den Beinen halten können, scheinen sie bei "Deliverance Lost" halt durch ein paar Klauen, Federn oder Schuppen verunstaltet zu sein, werden aber ansonsten von der Raven Guard (oder zumindest von Corax) als normale Brüder angesehen. Von Horror, Schock und Mitleid keine Spur.
Neben diesen Unzulänglichkeiten gibt es aber noch ein viel größeres Problem, nämlich die Tatsache, dass es keinen einzigen Charakter gibt, der auch nur annähernd mitreißen kann. Corax, der am Anfang des Romans die Hauptfigur darstellt und der durch zahlreiche Rückblenden etwas von sich selbst preisgibt und einen Blick in sein Innerstes erlaubt, wird später zunehmend in den Hintergrund gedrängt, als er sich selbst in den Turm einsperrt um über immer neuen Möglichkeiten zu tüfteln, die Legion noch schneller wieder aufzubauen und in die Schlacht zu schicken. Diese Entwicklung, auch die immer mehr um sich greifende Unzurechnungsfähigkeit von Corax, wurde von Thorpe wirklich passend dargestellt, aber leider ist dies auch der Moment, wo der Roman endgültig in die Belanglosigkeit abdriftet. Weder Branne noch Agapito, die der Leser beide schon aus dem Hörpsiel "Raven's Flight" kennt, sind in der Lage diese Lücke zu füllen, da sie beide gleichermaßen blass wie eindimensional bleiben - von den zahlreichen übrigen Alibicharakteren einmal abgesehen. Ein weiterer Hauptdarsteller des Hörspiels, Marcus Valerius, Befehlshaber der Therion-Truppen auf Deliverance, wurde sogar fast gänzlich aus dem Bucher herausgeschrieben und erhält nur einige Cameo-Auftritte. Auch die Verbündeten, sprich Imperial Fists und Adeptus Custodes, sind wohl eher dazu gedacht, sie einfach auch noch in einem weiteren Roman auftauchen zu lassen, denn eine wirklich wichtige Rolle spielen sie zumindest im späteren Verlauf des Romans nicht mehr.
Die Gegenspieler der Raven Guard, die Alpha Legion, können diesen Mangel an interessanten Charakteren jedoch nicht nutzen und bleiben ebenso blass wie die Protagonisten. Blass und scheinbar auch unfähig. Die Art und Weise, wie die Alpha Legion hier beschrieben wird, ist meilenweit von dem entfernt, was Dan Abnett in "Legion" auf den Weg gebracht hat. Dort waren Alpharius und seine Bruderschaft die Meister der Spionage und Infiltration, nur schwer greifbar, nie so richtig da. Sie haben in ihrem eigenen Roman nur eine Nebenrolle gespielt und in der waren sie brillant. Ausgerechnet in "Deliverance Lost", dem Roman der Raven Guard, nehmen sie nun einen großen Platz ein, an dem jeder ihrer Schachzüge detailliert erklärt und erläutert wird und die Legion so um einen Großteil ihres mysteriösen und unfassbaren Charakters bringt - ganz zu schweigen davon, dass sich die Alpha Legionäre allesamt wie Schuljungen und die Legion an sich mit der selbst gesteckten Aufgabe scheinbar maßlos überfordert scheint. Auch die Tatsache, dass die Infiltratoren teilweise massive Probleme damit haben, zwischen ihrer neuen "Identität" als loyale Raven Guard und ihrer eigentlichen Aufgabe als Alpha Legionäre zu agieren, wirkt doch sehr schwach, genau wie die scheinbar nicht mehr vorhandene Loyalität zwischen den einzelnen Brüdern, die grade in "Legion" noch extrem ausgeprägt zu sein schien.
Auch dass bei dem Roman beinahe zur Gänze auf Action verzichtet und mehr Wert auf das erzählerische Element gelegt wird, bringt den Roman nicht voran. In diesem Fall wäre es vielleicht wirklich besser gewesen, mehr Hack and Slay einzusetzen, um die storytechnischen Untiefen von "Deliverance Lost" zu übertünchen. Die einzigen Momente, wo wirklich einmal Tempo ins Spiel kommt, sind dann aber hanebüchener Unsinn, wie etwa bei der Durchkämmung eines tödlichen Labyrinths auf Terra, um an dessen Ende an die Geheimnisse der Reproduktion von Space Marines zu gelangen. Warum sollte der Imperator seinen eigenen Sohn solch einem Test unterziehen und das Risiko eingehen, dass nicht nur er sondern auch Dutzende Astartes den Tod finden, wenn es doch darum geht, eine Legion und vl. sogar Terra selbst, zu retten??
Selbst die Schluss-Offensiven, wo sich die Werbestien (hier Raptoren genannt - vl. ein Hinweis auf den gleichnamigen Nachfolgeorden der Raven Guard?) beweisen dürfen und noch einmal ein paar Word Bearers bzw. Emperor`s Children in Stücke gehackt werden, bleibt blass und spannungsarm. Ob es der Raven Guard nun gelingt die "Perfekte Festung" der EC zu erobern oder nicht ist völlig irrelevant und weder für diesen noch für einen der weiteren Romane von Belang.
Gav Thorpe hatte alle Trümpfe in der Hand, einen wirklich packenden, düsteren Roman über eine bislang sträflichst vernachlässigte und von Geheimnissen umwitterte Legion zu schreiben, ihre dunkelste Stunde aufzuarbeiten und den Leser mitzureißen. Stattdessen hat er einen oberflächlichen, zerfahrenen Roman abgeliefert bei dem er versucht hat möglichst viele Ideen hineinzupressen, die leider nicht ansatzweise zusammen harmonieren und den Leser am Schluss mit einem Haufen Fragen und einem Gefühl zurücklassen, dass eine Mischung aus "Who Cares"-Achselzucken und ungläubigem Erstaunen (im negativen Sinne) ist: ACHTUNG SPOILER Wieso fühlt sich Omegon am Ende dazu genötigt, sich des Alliierten der Kabale zu entledigen? Wieso will die Alpha Legion das Reproduktionsgeheimnis der Raven Guard stehlen, wenn es ihr doch eigentlich darum geht, die Menschheit (und sich selbst!) zu vernichten? Was ist jetzt mit dem Stockholm-Syndrom, was einige der AL-Infiltratoren entwickelt haben? Welchen Sinn hatte die Erwähnung, wenn es am Ende doch wieder alles in seinen geordneten Bahnen verlaufen ist? Warum hatte der Imperator keine Zeit für seinen Sohn, der immerhin gerade knapp dem Tode entronnen war? Wie genau haben die Gilden den Bürgerkrieg auf Kiavahr in Gang gesetzt? Welchen Sinn hatten die Custodes? Was war mit den Imperial Fists am Schluss? Hat Branne Corax gegenüber noch erwähnt, dass es Valerius war, der die Träume von Corax Bedrängnis auf Isstvan durchlebt hat und dass es Valerius zu Verdanken war, dass die Raven Guard überhaupt gerettet werden konnte? Usw. usf. Sicherlich werden die ein oder andere Frage noch in einem weiteren Roman erläutert, aber leider hat es Thorpe geschafft, was wohl das denkbar schlechteste ist, was ein Autor erreichen kann: es ist mir egal! Es ist mir egal wie die Fragen beantwortet werden oder ob sie unter den Tisch gekehrt werden. Das Schicksal der Charaktere ist mir egal, das Schicksal der Raven Guard ebenfalls - ich kann nur hoffen, dass SOLLTE es einen Nachfolger zu "Deliverance Lost" geben und sollte es noch einen weiteren Auftritt der Alpha Legion in der HH-Serie geben, dass beim nächsten Mal Autoren dafür eingespannt werden, die den Leser mitreißen und begeistern können und die zumindest im Falle der Alpha Legion das Erbe von Dan Abnett antreten können.
Fazit: Neben Battle For The Abyss und The Outcast Dead der Tiefpunkt der Horus Heresy-Serie. Ich bete zum Imperator, dass "Know No Fear" das Ruder noch einmal rumreißen kann, denn ansonsten hat mich die Serie als Leser definitiv endgültig verloren..."
Aktuell habe ich Angelus Exterminatus zur Hälfte durch und bin bisher guter Dinge, das es mal wieder einer van McNeills guten Romanen ist. Die Änderung die zwischen "Fulgrim" (der Roman) und dem aktuellem Werk an der gleichnamigen Person vollführt wurden per Kurzgeschichte, schmecken mir zwar nach wie vor gar nicht, aber immerhin wird der kontinuierliche Zerfall der Legion perfekt in Szene gesetzt.
Allein die Ankunft von Fulgrim auf Hydra Cordatus war ein echter Lesegenuß.
Perturabo wirkt bisher leider noch ein ganz klein wenig Farblos, ich bin mir aber sicher das kommt noch. Seine Krieger schließt man allerdings gleich wieder ins Herz. Ich schrieb es weiter oben schon. Selten so angenehme Flashbacks zu einem anderen Roman gehabt wie zu Storm of Iron. Man hat wirklich das Gefühl das man alten Weggefährten wider begegnet.
Storytechnisch ahnt man wo es hingeht, es ist aber nebulös genug und enthält noch ausreichend Konfliktpotenzial das es spannend bleibt. Leider ist der Genuss der Kurzgeschichte zwischen den Romanen so lange her, das ich nicht mehr recht weiss, was schon über die Spiegelstadt preis gegeben wurde. Mag da nochmal jemand Nachhilfe leisten?