Die schwelenden Ruinen des einstmals anmutigen Lustschlosses hoben sich wie die Finger einer abwehrend erhobenen Hand gegen die sinkende Sonne ab. Zwischen den Trümmern tummelten sich die siegreichen Renegaten der Skull Takers, die nach brauchbarer Beute suchten oder den wenigen Überlebenden die Gnade eines schnellen Todes erwiesen – obwohl einige seltsamerweise um ein wenig Folter geradezu zu betteln schienen. Vatomah Noku, stolzer Champion des ungeteilten Chaos, stand zusammen mit seinen getreuen Mitstreitern Blutauge und Klumpfuß drohend über dem einzigen Gefangenen, bei dem es sich um den ehemaligen Schlossherren handelte. "Warum", dröhnte er, "sollte ich wohl eine perverse kleine Made wie Dich am Leben lassen?"
"Nun, lasst mich überlegen... vielleicht, weil ich eine besonders nützliche kleine Made bin?" Der gutaussehende Mann mittleren Alters, der äußerst knappe Kleidung in geradezu schreienden Farbtönen trug, blinzelte den kuhköpfigen Champion mit seinen tiefen, smaragdgrünen Augen schelmisch an.
"Und wie genau könntest Du stinkender Abschaum uns wohl nützlich sein?" Von Vatomah Nokus Kameraden kam zustimmendes Gemurmel. "Aufknüpfen", empfahl Blutauge barsch. "Vierteilen", warf der stets etwas kreativere Klumpfuß rechthaberisch ein.
"Mal sehen", erwiderte der Gefangene. "Ich könnte gute Laune unter Euren Kriegern verbreiten, das hebt die Kampfmoral." Er pfiff ein paar lustige Töne, schnalzte mit der Zunge, und hinter Vatomah Noku war mit einem Mal ein klickendes Geräusch zu vernehmen. Irritiert fuhr er herum und sah zu seinem großen Erstaunen Blutauge und Klumpfuß, die in legerer Haltung rhythmisch mit den Fingern schnippten. Drohend funkelte er sie an, und sofort nahmen die beiden Legionäre wieder ihre pflichtbewusst bösartigen Posen ein.
"Habe keine Verwendung für einen Komiker", knurrte er und zog sein hässlich gezacktes Kampfmesser, was dem Gefangenen ein wohliges Seufzen entlockte.
"Tja, dann könnte ich... ich könnte für Euch zaubern!"
Der Champion runzelte die Stirn. Von allen Chaosmächten war er dem Blutgott am meisten zugetan, und dementsprechend verabscheute er Zauberei und begegnete ihr bestenfalls mit kalter Verachtung. "Was soll ein Zauberer schon nützen, außer Unfrieden zu stiften?"
"Die Feinde ablenken, damit ihr besser über sie herfallen könnt?" Er klatschte in die Hände, und wieder erklang das Fingerschnippen, begleitet von rhythmischem Fußstampfen. Entgeistert sah Vatomah Noku, wie seine getreuen Schergen schnippend und mit wiegenden Hüften um ihn herumtanzten.
"Außerdem", fuhr der Gefangene fort, der sich in Richtung der Ruinen umgewandt hatte, "kann ich besonders hasenherzige Exemplare Eurer Gegner aus ihren Verstecken locken, damit ihr sie mit euren mächtig großen Schießeisen niedermähen könnt." Er begann zu murmeln und bewegte eine Hand, als würde er eine Peitsche schwingen. Vatomah Noku traute seinen Augen kaum, als ein gutes Dutzend seiner Männer in einem lustigen Reigen, die Hände jeweils auf die Schultern ihres Vordermannes gelegt, mit glasigem Blick und verzücktem Lächeln aus den Ruinen getanzt kamen.
"Das reicht", bellte er. Der Zauberer hielt inne und blickte den aufstrebenden Champion treuherzig lächelnd an. "Ich verschone Dein Leben... vorerst. Der Prinz wird entscheiden, was wir mit Dir anstellen... wie heißt Du eigentlich?"
"Die Bewohner der umliegenden Dörfer, deren Körper Ihr so malerisch über die Felder verteilt habt, nannten mich den Schwarzen Marquis, obwohl ich Pastelltöne eigentlich bevorzuge. Mein Name ist Francoise Alphonse Marquis de Donatien. Aber Ihr, mein kuhäugiger Recke", der Zauberer blinzelte Vatomah Noku schwärmerisch an, "dürft mich Franzl nennen."