Gemini sagt dazu folgendes:
Das direkte Bedrucken von Kunststoffgussrahmen (englisch Sprues) – von Archon Studio unter dem Namen PrismaCast etabliert und inzwischen auch von Games Workshop für Produkte wie Battlefields: Armageddon genutzt – ist ein echter Meilenstein im Tabletop-Hobby.
Im Grunde handelt es sich hierbei um ein hochspezialisiertes Direct-to-Object UV-Digitaldruckverfahren. Statt flachem Papier wird ein extrem unebenes, dreidimensionales Kunststoffteil bedruckt.
Hier siehst du, wie das Ergebnis direkt im Gussrahmen aussieht. Achte mal auf die runden Fadenkreuze in den Freiräumen des Rahmens – diese spielen technisch eine entscheidende Rolle.
Der technische Prozess Schritt für Schritt
Hinter diesem Verfahren steckt eine geschickte Kombination aus traditioneller Handwerkskunst und modernster Scantechnik. Der Ablauf gliedert sich in folgende Phasen:
- 1 Das analoge Meistermodell
Schritt 1: Pro-Painting
Ein professionelles Studio-Team bemalt das Gelände- oder Modellteil ganz traditionell von Hand. Hier werden alle Highlights, Schattierungen, Rosteffekte oder Leuchteffekte (OSL) so perfekt wie möglich ausgearbeitet. Dieses Modell dient als optische Vorlage.
- 2 Digitalisierung per Photogrammetrie
Schritt 2: 3D-Scanning
Das handbemalte Modell wird mittels Photogrammetrie aus Hunderten von Winkeln fotografiert. Eine Software errechnet daraus ein hochauflösendes 3D-Modell inklusive einer extrem detaillierten Textur-Map (einer digitalen "Mal-Vorlage"), die jede Nuance des echten Pinselschwungs exakt abspeichert.
- 3 Präzise Kalibrierung im Drucker
Schritt 3: Alignment
Die unbemalten Gussrahmen kommen aus der Spritzgussmaschine in die Druckstraße. Damit die Düsen genau wissen, wo Erhöhungen und Vertiefungen liegen, muss der Rahmen perfekt ausgerichtet sein. Dafür sorgen die oben im Bild sichtbaren Zentrierkreuze (Passmarken). Kameras im Drucker scannen diese Kreuze und kalibrieren die Druckköpfe auf den Bruchteil eines Millimeters genau.
- 4 Der UV-Inkjet-Druck
Schritt 4: Tintenauftrag
Spezielle industrielle Tintenstrahl-Druckköpfe fahren über den Gussrahmen. Sie besitzen eine hochentwickelte Tröpfchensteuerung und verändern bei Bedarf dynamisch den Abstand (Z-Achse), um auch in tiefere Strukturen sprühen zu können, ohne dass das Druckbild verschwimmt.
- 5 Sofortige UV-Härtung
Schritt 5: Curing
Direkt hinter den Farbdüsen sitzt eine starke UV-Lichtquelle. Die verwendete Spezialtinte reagiert auf dieses Licht und polymerisiert (härtet) innerhalb von Millisekunden aus. Dadurch verfließt die Farbe nicht auf dem glatten Polystyrol-Plastik, sondern geht eine extrem kratzfeste, matte und robuste Verbindung mit der Oberfläche ein. Danach wird der Rahmen umgedreht und die Rückseite bedruckt.
Die physikalischen Grenzen des Verfahrens
Auch wenn das Ergebnis auf dem Spieltisch fantastisch aussieht, bringt die Technologie bauartbedingt zwei klare Limitierungen mit sich, die man beim genauen Hinsehen bemerkt:
Der "Schatteneffekt": Die Druckdüsen sprühen primär von oben (bzw. unten) auf den Rahmen. Bei extrem steilen Wänden, tiefen Hinterschneidungen oder senkrechten Kanten kommt es zu einem leichten Sprühschatten. Dort ist der Farbauftrag oft etwas dünner oder minimal pixelig/grobkörniger.
Die Gussnasen (Gates): Sobald du die Bauteile mit dem Seitenschneider aus dem Rahmen knipst, bricht an der Trennstelle das Plastik auf. An diesen kleinen Punkten kommt unweigerlich das nackte, graue (oder farbige) Plastik zum Vorschein. Diese winzigen Stellen muss man als Spieler weiterhin kurz mit dem Pinsel nachbessern (oft "Touch-up" genannt).
Für großflächiges Gelände ist das Verfahren eine enorme Zeitersparnis. Bei komplexen, organischen Infanterie-Miniaturen (wie Space Marines oder Orks) stößt die Technik aufgrund der extremen Hinterschneidungen aktuell noch an ihre Grenzen, weshalb GW und Archon es vorerst primär für Gebäude und Barrikaden einsetzen.
Wieder was gelernt.